Wesserling, das „Kleine Paris“ des Tals: Eine Reise in die Glanzzeit um 1900
Publié le 24 juillet 2026
Stellen Sie sich einen Moment vor …
Eine Melodie erklingt zwischen den blühenden Beeten. Kinder laufen lachend durch die Alleen. Damen in langen, eleganten Kleidern flanieren im Schatten der Bäume, während Herren mit einem Strohhut angeregt über die neuesten Innovationen der Textilindustrie diskutieren.
Vielleicht denken Sie dabei an eine Szene aus Bridgerton oder an einen Roman von Émile Zola. Und doch befinden wir uns im Elsass, im Herzen des Thur-Tals.
Willkommen in Wesserling – zur Zeit der Belle Époque bekannt als das „Kleine Paris“.
Warum wurde Wesserling das „Kleine Paris“ genannt?
Ende des 19. Jahrhunderts war Wesserling weit mehr als nur eine Textilfabrik. Es war eine echte Industriestadt, in der mehrere Tausend Menschen arbeiteten. Rund um die Fabriken entstanden Wohnhäuser, Schulen, Geschäfte, soziale Einrichtungen und außergewöhnliche Gärten, die den Ruf des Ortes weit über die Region hinaus prägten.
Für die Bewohner der umliegenden Täler war ein Besuch in Wesserling etwas Besonderes: ein lebendiger, moderner Ort voller Leben. Man kam hierher, um zu arbeiten, aber auch zum Flanieren, um Musik zu hören, die Gärten zu bewundern und die einzigartige Atmosphäre zu genießen.
In diesem Zusammenhang entstand der Beiname „Kleines Paris“. Nicht, weil Wesserling die französische Hauptstadt nachahmen wollte, sondern weil der Ort im Maßstab des Vogesentals zu einem echten Zentrum des Lebens, der Innovation, der Kultur und der Eleganz geworden war.
Ein Tal mit Blick auf die Welt
Der Ruf Wesserlings beruhte nicht allein auf seinen Fabriken.
Die Textilmanufaktur gehörte zu den bedeutendsten Unternehmen des Elsass. Die bedruckten Stoffe wurden in ganz Europa und weit darüber hinaus verkauft, während die Unternehmensleiter – insbesondere die Familien Gros und Roman – enge Beziehungen zur Schweiz und zu Frankreich pflegten.
Selbst während der Zeit der deutschen Annexion blieb die französische Kultur in den Führungskreisen stark präsent. Diese Offenheit machte Wesserling zu einem außergewöhnlichen Ort, an dem technische Innovationen, künstlerische Einflüsse und internationale Beziehungen aufeinandertrafen.
Die Gärten – wahre Salons unter freiem Himmel
Noch heute erzählen die Gärten des Parc de Wesserling von dieser Geschichte.
Im 19. Jahrhundert dienten sie nicht nur der Verschönerung. Sie wurden zu Orten der Begegnung, der Erholung, der Musik und der gesellschaftlichen Zusammenkunft. Die Fabrikantenfamilien veranstalteten dort Feste, empfingen ihre Gäste und pflegten eine besondere Lebensart im Herzen des Thur-Tals.
Damals gehörten die sogenannten „Follies“ zu den charakteristischen Elementen großer europäischer Gartenanlagen. Mit diesen fantasievollen Bauwerken überraschte man die Besucher und verlieh den Gärten eine besondere Atmosphäre.
Follies – wenn Gärten Geschichten erzählten
Entgegen dem, was ihr Name vermuten lässt, sind Follies keineswegs bloße Spielereien oder nutzlose Extravaganzen.
In den Gärten des 18. und 19. Jahrhunderts bezeichnete eine Folly ein dekoratives Bauwerk, das die Besucher zum Staunen bringen sollte: ein romantischer Pavillon, eine künstliche Ruine, ein Pavillon oder Musikpavillon, ein antiker Tempel, eine Grotte oder ein Aussichtspunkt.
Diese Gartenarchitekturen luden die Spaziergänger dazu ein, auf Reisen zu gehen, ohne den Garten zu verlassen. Hinter jeder Wegbiegung verbarg sich eine neue Geschichte.
Im Parc de Wesserling lebt diese Tradition lebendiger Gärten bis heute weiter – unter anderem in den Landschaftskreationen des Festivals der Metis-Gärten (Festival des Jardins Métissés). Sie spielen auch beim Fest des Kleinen Paris (Fête du Petit Paris) eine besondere Rolle, das die festliche und elegante Atmosphäre der großen Gesellschaftsempfänge vergangener Zeiten wieder aufleben lässt.
Wie kleidete man sich zur Belle Époque?
Wenn Sie schon einmal Downton Abbey gesehen oder die Kostüme in Filmen bewundert haben, die von der Belle Époque inspiriert sind, werden Sie in Wesserling einen Teil dieser Eleganz wiederfinden.
Die Damen trugen lange Kleider, oft ergänzt durch aufwendig verzierte Hüte mit Blumen, Bändern oder Federn. Die Silhouetten wurden im Vergleich zur Mitte des Jahrhunderts fließender, ohne dabei ihre besondere Eleganz zu verlieren.
Die Herren trugen Gehrock, Jackett und Weste, dazu eine Taschenuhr und einen Strohhut. Ein gepflegter Schnurrbart gehörte fast schon zur Mode.
Auch an die Kinder wurde gedacht: Die Jüngsten trugen weiße Kleider, die Jungen häufig Matrosenanzüge. Strohhüte und sorgfältig ausgewählte Kleidung rundeten die Familienausflüge durch die Gärten stilvoll ab.
Das Kleine Paris heute neu erleben
Für einen Tag kehrt diese besondere Atmosphäre in den Parc de Wesserling zurück.
Wenn Sie durch die Tore des Parc de Wesserling treten, haben auch Sie vielleicht das Gefühl, eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen – zurück in jene Zeit, als sich ein ganzes Tal in seinem „Kleinen Paris“